Der Schneider braucht eine Website. Das Café vielleicht nicht.
Instagram und ein Google-Profil decken viel ab. Ob das für dich reicht, hängt davon ab, was du verkaufst, was es kostet und wie oft am Tag dein Telefon mit derselben Frage klingelt.
Fabio Frisone
Unternehmen führen · · 6 Min. Lesezeit

Stell dir eine Änderungsschneiderei im Kiez vor. Jemand heiratet in fünf Wochen und hat ein Kleid, das nicht passt. Er tippt „Brautkleid ändern in der Nähe“ bei Google ein. Was will er wissen? Ob dieser Laden überhaupt Brautkleider macht, ungefähr was es kostet, wie lange es dauert, ein paar Vorher-nachher-Fotos und eine Möglichkeit, eine Anprobe zu buchen, ohne während der Öffnungszeiten heimlich vom Büroklo aus anzurufen.
Nur ein Teil davon passt in ein Google Unternehmensprofil. Fotos und eine Liste der Leistungen, ja. Aber die Beschreibung endet bei 750 Zeichen, Googles Regeln erlauben keine Links und keine Werbetexte, und für „So läuft es ab“, eine Preisliste oder ein Buchungsformular ist kein Platz. Instagram schafft das auch nicht. Seit Juli 2025 können Beiträge aus öffentlichen Business-Konten in den Google-Ergebnissen auftauchen, und das hilft. Aber ein Feed ist eine Zeitleiste. Die Preisliste, die du letzten Frühling gepostet hast, liegt irgendwo unter zweihundert Fotos von Säumen.
Der Schneider braucht also eine Website. Eine einfache: eine Seite pro Leistung, eine Preisliste, Fotos, ein Formular für Termine.
Und das Café?
Das Café um die Ecke verkauft Kaffee für vier Euro. Niemand recherchiert einen Kaffee. Man schaut auf die Bewertung, vielleicht auf die Fotos, und geht rein. Öffnungszeiten, Adresse und Karte stehen schon bei Google, und Instagram zeigt, wie es sich dort an einem Samstagmorgen anfühlt. Wer ein Café führt und fragt, ob er eine Website braucht, sollte meistens hören: noch nicht, steck das Geld lieber in bessere Fotos für dein Google-Profil. Dieses Profil bringt einem Café mehr als jede Website.
Das ändert sich in dem Moment, in dem das Café Dinge anbietet, die man im Voraus plant. Catering, private Feiern, ein Workshop, ein ständiger Strom von Touristen, die die Karte vorher auf Englisch lesen wollen. Dann lohnt sich eine gut gemachte Seite.
Und es ändert sich komplett, wenn Kaffee an andere Unternehmen verkauft wird. Für Bonanza Coffee, eine Specialty-Rösterei, haben wir den Großhandelsshop auf Shopify gebaut, in dem Cafés und Wiederverkäufer bestellen. Fast die ganze Arbeit dort ist unsichtbar: Steuern und Versand für verschiedene Länder, die Einstellungen hinter jeder Bestellung und eine Anbindung an das eigene ERP-System des Unternehmens, damit Bestellungen und Produkte synchron bleiben. Für so ein Unternehmen ist die Website kein Schaufenster. Über sie kommen die Bestellungen rein.


Was die Leute nach den Bewertungen tun
Eine Zahl lohnt sich hier. BrightLocal befragt jedes Jahr Verbraucher dazu, wie sie lokale Unternehmen auswählen. In der Umfrage 2026 sagten 54 %, dass sie nach dem Lesen positiver Bewertungen als Nächstes die Website des Unternehmens besuchen. 2019, als die Frage zuletzt gestellt wurde, waren es 32 %.
Befragt wurden Verbraucher in den USA. Bewertungen machen neugierig; dann wollen die Leute Details, und wenn sie die nirgends finden, bekommt die Konkurrenz mit Website den Klick.
Drei Fragen
Bevor wir ein Angebot machen, fragen wir drei Dinge. Was ist das Teuerste, was du verkaufst? Wie oft am Tag beantwortest du dieselbe Frage? Und zahlst du Provision an eine Plattform, etwa Booking.com, einen Lieferdienst oder eine Buchungs-App für Salons? Probier es selbst:
Günstige Produkte, wenige wiederkehrende Fragen und keine Provision heißen meistens: Die Website kann vorerst warten. Ein teures Produkt, ein Telefon, das nicht aufhört zu klingeln, oder 15 % jeder Buchung, die jeden Monat an eine Plattform gehen, heißen: Die Website hat eine klare Aufgabe. Wenn die Provision das Problem ist, haben wir für Ferienwohnungen nachgerechnet; für einen Friseur mit Buchungs-App gilt dieselbe Logik. Der Schneider kreuzt die ersten beiden an, und zwei reichen völlig. Das Café kreuzt meistens keins an, bis es anfängt, Bohnen an andere Cafés zu verkaufen. Wenn die Antwort Ja ist, steht hier, was du bereithaben solltest, bevor du jemanden nach einem Angebot fragst.

Fabio Frisone
Websites, Onlineshops und Web-Apps bei Frisun. Fabio baut deine Website, deinen Shop oder deine Web-App und sorgt dafür, dass sie für dein Geschäft funktioniert. Er bringt Erfahrung in Finanzen, Datenanalyse und E-Commerce mit und schaut deshalb auf deine Website wie du: wie viele Leute sie finden und wie viele davon zu Kunden werden. Er baut von Grund auf mit modernen Tools und arbeitet genauso gern mit Squarespace, Wix oder Shopify, wenn du lieber auf einer Plattform bleibst, die du kennst. Über das Studio


