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Ein Urteil über 100 € und was es über billige Websites verrät

2022 verurteilte ein Münchner Gericht einen Websitebetreiber, einem Besucher 100 € zu zahlen. Das Vergehen der Website war eine Schriftart. Die Summe ist winzig. Was sie zeigt, ist die ganze Kluft zwischen einer Vorlage und einer ordentlich gebauten Website.

Fabio Frisone

Recht und Geld · · 7 Min. Lesezeit

Der Justizpalast in München
Foto: Joshua Kettle, Unsplash

Entschieden hat den Fall das Landgericht München I am 20. Januar 2022. Ein Besucher hatte eine Website verklagt, weil sie ihre Schriften von Googles Servern lud. Jedes Mal, wenn die Seite geladen wurde, wanderte seine IP-Adresse zu Google in die USA, ohne dass ihn jemand gefragt hatte. Das Gericht befand, dass eine IP-Adresse ein personenbezogenes Datum ist, dass die Website keinen guten Grund hatte, sie weiterzugeben, weil man dieselben Schriften auch auf dem eigenen Server ablegen kann, und sprach 100 € Schadensersatz für den Kontrollverlust über diese Daten zu.

100 € sind nichts. Was folgte, schon. Innerhalb weniger Monate verschickten Anwälte und Serienkläger Wellen fast gleicher Abmahnungen an Unternehmen in ganz Deutschland, von denen die meisten noch nie von einem Schriftenserver gehört hatten. Ihre Websites waren schnell und billig aus Vorlagen gebaut worden, von Leuten, die das Problem auch nicht kannten.

Eine Wand aus schlichten Briefumschlägen in Weiß und Creme
Nach dem Urteil erreichten Abmahnungen wegen Google Fonts Unternehmen in ganz Deutschland. Foto: Joanna Kosinska, Unsplash.

Immer wenn jemand fragt, warum eine Website fünfmal so viel kostet wie eine andere, obwohl die Screenshots gleich aussehen, lohnt sich diese Geschichte. Der Unterschied liegt selten im Screenshot.

Die Regeln, die eine Vorlage nicht kennt

Wenn dein Unternehmen in Deutschland sitzt, braucht deine Website ein Impressum: wer die Website betreibt, eine Postanschrift, eine Kontaktmöglichkeit, erreichbar von jeder Seite. Das steht in § 5 des Digitale-Dienste-Gesetzes. Die Berliner Kanzlei von Engelhardt schreibt, dass ein fehlendes oder verstecktes Impressum mit bis zu 50.000 € Bußgeld geahndet werden kann und dass deswegen schon Tausende Abmahnungen verschickt wurden. Die Gerichte sind sich nicht einmal in jedem Detail einig, ein Grund mehr, es richtig zu machen statt fast richtig.

Dann eine Datenschutzerklärung, die beschreibt, was deine Website wirklich tut, keine allgemeine aus einem Generator. Ein Cookie-Banner, aber nur, wenn du Dinge lädst, die einen brauchen, was seltener vorkommt, als man denkt; das haben wir extra aufgeschrieben, mit Checkliste. Und Barrierefreiheit: Der European Accessibility Act, in Deutschland umgesetzt im Barrierefreiheitsstärkungsgesetz, gilt seit dem 28. Juni 2025. Kleinstunternehmen, die Dienstleistungen anbieten, mit weniger als zehn Beschäftigten und höchstens 2 Millionen € Umsatz, sind ausgenommen, aber lesbare Kontraste, echter Text statt Text in Bildern und eine Website, die sich mit der Tastatur bedienen lässt, lohnen sich trotzdem. Sie helfen jedem Besucher, auch dem, der deine Öffnungszeiten in praller Sonne auf einem gesprungenen Handydisplay liest.

Wie „ordentlich gebaut“ aussieht

Ein typisches Projekt in einem Studio wie unserem beginnt mit einem Gespräch, in dem wir vor allem Fragen stellen. Was verkaufst du, wer kauft es, was soll jemand tun, nachdem er auf der Seite gelandet ist? Dann die Texte. Kein Fülltext mit deinem Namen darin, sondern deine Worte, gekürzt und in Ordnung gebracht. Deine Fotos, so komprimiert, dass die Seite auch mit einem Balken Empfang schnell lädt. Dann der Bau: Seitentitel und Beschreibungen, damit Google weiß, was es vor sich hat, ein Link zu deinem Google Unternehmensprofil, Schriften, die mit der Website ausgeliefert werden, und Rechtsseiten, die zu dem passen, was die Website wirklich tut, statt einer Kopie von irgendwoher. Wenn du Buchungen oder einen Kalender brauchst, kommt das dazu. Du siehst die Website, während sie entsteht, zwei Korrekturrunden sind im Preis enthalten, und am Ende gehört die Website dir, ohne Abhängigkeit.

Was eine einfache Website nicht enthält: einen Shop mit dreihundert Produkten, eine App mit Benutzerkonten, zehn Seiten in vier Sprachen, monatliche Inhalte. Das sind größere Projekte. Wer dir das alles zum Preis einer einfachen Website verspricht, lässt etwas weg, und welcher Teil das ist, merkst du später. Und umgekehrt genauso: Wenn dein Unternehmen ein Café ist, das Kaffee für vier Euro verkauft, brauchst du vielleicht noch gar keine Website, und das sagen wir in diesem Artikel auch.

Was du bekommstVorlage an einem NachmittagOrdentlich gebaut
Ein Layout mit deinem Logo und deinen Farben
Deine eigenen Texte, mit dir überarbeitet
Deine Fotos, fürs Handy komprimiertmanchmal
Seitentitel, Beschreibungen, Link zu deinem Google-Profil
Impressum und Datenschutzerklärung, die zur Website passen
Schriften mit der Website ausgeliefert, nichts geht an Googleselten
Domain auf deinen Namen registriertoft nicht
Eine Einweisung, damit du selbst ändern kannst
Shop mit Hunderten Produkten, Apps, vier Sprachen

Auf wessen Namen die Domain läuft

Der schlimmste Fall in dieser Branche: Ein Unternehmen will eine neue Website und kann keine bekommen, weil der Freelancer, der die alte vor fünf Jahren gebaut hat, die Domain auf seinen eigenen Namen registriert hat und nicht mehr auf E-Mails antwortet. Egal, was du zahlst und wem: Sorg dafür, dass die Domain auf dich läuft.

Dann stell vier weitere Fragen, bevor du etwas unterschreibst. Wer schreibt das Impressum und die Datenschutzerklärung? Woher laden die Schriften, die Karten und die Videos? Was kostet es nach dem Start pro Monat, alles zusammen? Und wen rufe ich an, wenn in einem Jahr etwas kaputtgeht? Wenn du auf alle fünf klare Antworten bekommst, ist der Preis wahrscheinlich fair, egal wie hoch er ist. Wenn du gut vorbereitet in dieses Gespräch gehen willst, nimm diese Liste mit.

Porträt von Fabio Frisone

Fabio Frisone

Websites, Onlineshops und Web-Apps bei Frisun. Fabio baut deine Website, deinen Shop oder deine Web-App und sorgt dafür, dass sie für dein Geschäft funktioniert. Er bringt Erfahrung in Finanzen, Datenanalyse und E-Commerce mit und schaut deshalb auf deine Website wie du: wie viele Leute sie finden und wie viele davon zu Kunden werden. Er baut von Grund auf mit modernen Tools und arbeitet genauso gern mit Squarespace, Wix oder Shopify, wenn du lieber auf einer Plattform bleibst, die du kennst. Über das Studio

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